Eine Woche nach der DEM U18 in Leipzig und Hanna Thieles tollem Erfolg fand nun auch die Deutsche Meisterschaft der U21 in Potsdam statt. Von unseren Judoka hatte sich nur Anna Lorenz qualifiziert, die in der sehr gut besetzten Gewichtsklasse -63 kg (29 TN) an den Start ging. Anna war hochmotiviert, fühlte sich fit – bessere Voraussetzungen kann man sich doch nicht wünschen, oder?
Los ging es gegen die Drittplatzierte der Westdeutschen Einzelmeisterschaften aus Nordrhein-Westfalen. Anna hatte die Linkskämpferin gut im Griff und ging nach gut 30 s bereits mit einem Waza-Ari für Uki-Goshi in Führung. Die vorsichtigen Uchi-Mata-Ansätze ihrer Gegnerin blockte sie gekonnt ab, ehe Anna die Aufwärtsbewegung der Kontrahentin (aus Ne-Waza zu Tachi-Waza) mit einer Fußtechnik ausnutzte und sich den zweiten Waza-Ari bescherte. Ein guter Einstieg in den Wettkampf, der Selbstvertrauen schenkte.
Und das war nötig, denn im nächsten Kampf wartete Jolina Reinhold aus Bayern. Sie sicherte sich erst in der Woche zuvor den Titel in der U18 (wie auch schon 2025) und wollte nun erneut den Titel (wie ebenfalls 2025) in der höheren Altersklasse. Keine leichte Aufgabe also für unsere Anna, die trotzdem motiviert, konzentriert und keineswegs eingeschüchtert an den Kampf heranging. Drei Minuten lang hielt sie gut mit, wackelte sogar selbst einmal die Bayerin an, doch dann ließ sie sich zu lange auf den Griffkampf ein. Die Unachtsamkeit wurde gnadenlos ausgenutzt und ein tief angesetzter Ippon-Seoi-Nage brachte Reinhold in die nächste Runde (und am Ende des Tages wieder zu Gold). Anna verkaufte sich trotzdem nicht unter Wert und setzte den Wettkampf in der Trostrunde fort.
Vor dem dritten Kampf besprachen Anna und der mitgereiste Trainer Robert Becke noch einmal die Taktik gegen die nächste Kontrahentin – die andere Drittplatzierte der Westdeutschen Meisterschaften. Die Taktik ging auf, denn nach einer De-Ashi-Barai-Finte wich die Gegnerin wie geplant aus und Anna konnte ihren Koshi-Guruma einsetzen. Ippon nach einer Minute!
Im anschließenden Kampf gegen die Vizemeisterin aus Süddeutschland tat sich unsere Judoka anfangs schwer. Die Bayerin dominierte im Griff und war spezialisiert auf Konter und Opfertechniken, die ihr recht schnell eine komfortable Führung mit zwei Yuko und einem Waza-Ari einbrachten. Anna hielt ihre Konzentration dennoch aufrecht, obwohl die Uhr immer weiter gegen sie lief. Mit nur noch einer Minute verbleibender Kampfzeit setzte Anna erneut einen Harai-Goshi an, an dem sie bis zum Schluss dranblieb. Ihre Gegnerin wollte zwar wieder mit einer Kontertechnik übernehmen, war diesmal aber zu spät und landete voll auf dem Rücken. Damit wurde Anna für ihren kühlen Kopf und natürlich die Technik mit Ippon belohnt und zog wieder eine Runde weiter.
Der fünfte Kampf, wie passend, fand gegen 5 Uhr am Nachmittag statt und damit gut sieben Stunden nach Annas erstem Kampf. Trotzdem begann unsere Judoka gut und zwang ihrer Gegnerin nach gut einer Minute eine Strafe für Inaktivität auf. Danach war aber leider sprichwörtlich die Luft raus. Dem links ausgeführten Uchi-Mata und der anschließenden Festhalte hatte Anna nicht mehr viel entgegenzusetzen, womit nach fünf Kämpfen die DEM für sie auf Platz 9 beendet war.
Was sagt nun der Trainer dazu? Der zeigte sich hochzufrieden, ebenso wie die sächsischen Landestrainer, die Anna ebenfalls im Blick hatten. Ohne Leistungsdruck, ohne Kaderstatus im Hinterkopf kämpfte Anna befreit, hochkonzentriert und ließ am Ende zwei der anderen drei sächsischen Starterinnen in der Gewichtsklasse hinter sich. Wir finden, Anna kann stolz auf ihre Leistung sein, wir sind es auf jeden Fall.